Wer einen kleinen Betrieb führt, kümmert sich um vieles gleichzeitig: Aufträge, Personal, Buchhaltung. Der Arbeitsschutz läuft da oft nebenher. Bei Sicherheitsschuhen zeigt sich das an einer typischen Frage aus dem Alltag: Ein neuer Mitarbeiter fängt an, und niemand weiß genau, welche Schuhe er eigentlich braucht. Die Kürzel auf dem Etikett helfen nur, wenn man sie lesen kann. Dieser Beitrag erklärt, was hinter S1P und S3 steckt und wie man ohne großen Aufwand zur richtigen Entscheidung kommt.
Am Anfang steht die Gefährdungsbeurteilung
Die Auswahl von Sicherheitsschuhen ist keine Geschmacksfrage. Grundlage ist die Gefährdungsbeurteilung, zu der jeder Arbeitgeber nach dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet ist, unabhängig von der Betriebsgröße. Für den Fußschutz gibt die DGUV Regel 112-191 eine praxisnahe Orientierung. Die Leitfragen sind einfach: Können schwere Gegenstände herabfallen oder Füße eingequetscht werden? Liegen Nägel, Schrauben, Scherben oder Späne auf dem Boden? Wird draußen, im Nassen oder auf unebenem Gelände gearbeitet? Sind die Böden glatt, etwa durch Öl, Wasser oder Reinigungsmittel?
Aus den Antworten ergibt sich, welche Eigenschaften ein Schuh mitbringen muss. Erst danach lohnt sich der Blick auf konkrete Modelle.
Was die Kürzel nach EN ISO 20345 bedeuten
Sicherheitsschuhe werden in Europa nach der Norm EN ISO 20345 geprüft, die 2022 überarbeitet wurde. Allen Sicherheitsschuhen gemeinsam ist eine Zehenschutzkappe, die einem Stoß mit 200 Joule und einer Druckbelastung von 15 Kilonewton standhalten muss. Ob die Kappe aus Stahl oder Kunststoff besteht, spielt für die Prüfung keine Rolle. Auch eine Rutschhemmung auf Fliesen mit Seifenlösung gehört inzwischen zur Grundanforderung. Das zusätzliche Kürzel SR steht für eine strengere Prüfung mit Glycerin.
Die Schutzklassen bauen aufeinander auf. S1 bedeutet: geschlossene Ferse, antistatische Eigenschaften und Energieaufnahme im Fersenbereich. Das P steht für Durchtrittsicherheit, also eine Zwischensohle, die das Eintreten spitzer Gegenstände verhindern soll. Seit der Neufassung wird unterschieden: P bezeichnet eine metallische Einlage, PL und PS stehen für nicht metallische Einlagen, die mit einem 4,5 beziehungsweise 3,0 Millimeter dicken Prüfnagel getestet werden. S2 ergänzt S1 um ein Obermaterial, das Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme begrenzt. S3 vereint das mit Durchtrittsicherheit und einer profilierten Laufsohle. Die Beständigkeit gegen Kraftstoff und Öl ist seit 2022 übrigens kein fester Bestandteil der Klassen mehr, sondern wird separat mit FO gekennzeichnet.
Wann S1P die richtige Wahl ist
S1P ist die typische Wahl für trockene Innenbereiche, in denen Gegenstände auf dem Boden liegen können. Dazu gehören Werkstätten, Lager, Versandabteilungen, Montagehallen oder Schreinereien. Der Durchtrittschutz sichert gegen Schrauben und Späne, die Zehenkappe gegen herabfallende Kartons oder Werkstücke. Weil kein wasserabweisendes Obermaterial verlangt ist, gibt es viele luftdurchlässige und leichte Modelle, was bei langen Arbeitstagen in warmen Hallen ein echter Vorteil ist. Wer Sicherheitsschuhe S1P für das Team auswählt, sollte zusätzlich auf den Bodenbelag achten: Bei glatten oder häufig feuchten Böden ist ein Modell mit SR-Kennzeichnung sinnvoll.
Wann S3 besser passt
Sobald draußen gearbeitet wird oder Nässe ins Spiel kommt, stößt S1P an seine Grenzen. Auf Baustellen, im Garten- und Landschaftsbau, bei Lieferdiensten mit Außeneinsätzen oder in der Landwirtschaft sind Regen, Matsch und loser Untergrund Alltag. Hier spielen das wasserabweisende Obermaterial und die profilierte Sohle ihre Stärken aus. S3 Arbeitsschuhe gibt es als Halbschuh und als Stiefel. Der höhere Schaft stützt den Knöchel auf unebenem Gelände, der Halbschuh ist dafür beweglicher, etwa beim häufigen Ein- und Aussteigen aus Fahrzeugen.
Ein häufiger Fehler ist, aus Vorsicht für alle Mitarbeitenden S3 anzuschaffen. Im Büro oder in einer trockenen Halle bringt das wenig, kostet aber Tragekomfort. Umgekehrt ist S1P auf einer nassen Baustelle zu wenig.
Mitarbeitende einbeziehen
Die beste Schutzklasse nützt nichts, wenn der Schuh im Spind bleibt. Die PSA-Benutzungsverordnung verlangt, dass Schutzausrüstung zu den Beschäftigten passt und ihren ergonomischen und gesundheitlichen Anforderungen entspricht. In der Praxis heißt das: Anprobe ermöglichen, Rückmeldungen ernst nehmen und bei Bedarf unterschiedliche Modelle zulassen, solange die Schutzklasse stimmt. Die Kosten trägt dabei der Arbeitgeber, wenn die Gefährdungsbeurteilung Sicherheitsschuhe vorsieht.
Wer diese Schritte einmal sauber durchläuft und das Ergebnis dokumentiert, hat für künftige Neueinstellungen eine klare Vorlage. Das spart Zeit, vermeidet Fehlkäufe und sorgt dafür, dass der Fußschutz im Betrieb nicht mehr vom Zufall abhängt.




