Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Einführung des Euro steht Europas Bargeld vor seiner größten Veränderung. Neue Euro Scheine markieren den Beginn einer umfassenden Modernisierung, die nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch die Identifikation der Menschen mit der gemeinsamen Währung stärken soll. Erstmals können Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Euroraum aktiv Einfluss auf die Gestaltung der künftigen Banknoten nehmen.
Seit dem 23. Juli 2026 präsentiert die Europäische Zentralbank zehn Finalentwürfe, über die Europäerinnen und Europäer bis zum 21. September 2026 im Rahmen einer öffentlichen Online Umfrage abstimmen können. Die endgültige Entscheidung fällt zwar erst durch den EZB Rat, dennoch gilt die Beteiligung der Bevölkerung als wichtiger Bestandteil des Auswahlverfahrens. Dieser Artikel zeigt, welche Motive zur Auswahl stehen, weshalb die Gestaltung erstmals grundlegend verändert wird und wann die neuen Geldscheine tatsächlich in Umlauf kommen.
Warum die EZB eine neue Serie der Euro-Banknoten plant
Als der Euro eingeführt wurde, entschied sich die Europäische Zentralbank bewusst für neutrale Motive. Die erste Serie zeigte fiktive Tore und Fenster auf der Vorderseite sowie erfundene Brücken auf der Rückseite. Ziel war es, kein Mitgliedsland hervorzuheben und stattdessen den gemeinsamen europäischen Gedanken in den Mittelpunkt zu stellen.
Mehr als 20 Jahre später verfolgt die Zentralbank einen neuen Ansatz. Die Neugestaltung der Euro-Banknoten soll moderne Sicherheitsmerkmale integrieren und gleichzeitig eine stärkere emotionale Verbindung zur gemeinsamen Währung schaffen. Nach Angaben der EZB wünschen sich viele Menschen in Europa Motive, mit denen sie sich stärker identifizieren können. Deshalb rücken erstmals reale Persönlichkeiten und europäische Landschaften in den Mittelpunkt.
Wann gibt es neue Euro-Scheine?
Bis neue Banknoten im Alltag genutzt werden können, vergeht noch einige Zeit. Zwar wurden im Juli 2026 bereits die zehn Finalentwürfe veröffentlicht, doch bis zur Ausgabe müssen zahlreiche weitere Schritte abgeschlossen werden.
Der aktuelle Zeitplan sieht folgendermaßen aus:
| Meilenstein | Zeitraum |
|---|---|
| Vorstellung der Finalentwürfe | 23. Juli 2026 |
| Online Umfrage der EZB | 23. Juli bis 21. September 2026 |
| Entscheidung durch den EZB Rat | Ende 2026 |
| Produktion und umfangreiche Tests | 2027 bis 2028 |
| Erste Ausgabe der künftigen Euro-Banknoten | Frühestens 2028 oder 2029 |
Zwischen der Auswahl eines Entwurfs und der Einführung liegen mehrere Jahre. Druckverfahren, Sicherheitsprüfungen sowie die Vorbereitung von Banken, Geldautomaten und Einzelhandel benötigen viel Zeit. Deshalb werden die neuen Scheine frühestens ab 2028 schrittweise ausgegeben.
Neue Euro Scheine: Zehn Designvarianten für Europas Zukunft
Mit der aktuellen Auswahlphase erreicht der Prozess zur Neugestaltung einen wichtigen Meilenstein. Aus mehr als 1.200 Bewerbungen internationaler Grafikdesignerinnen und Designer wählte die EZB zunächst eine kleinere Zahl geeigneter Vorschläge aus. Daraus entstanden zehn Finalentwürfe, die nun öffentlich vorgestellt wurden.
Innerhalb jeder Themenwelt existieren fünf unterschiedliche Gestaltungsvorschläge. Das eigentliche Motiv bleibt jeweils identisch, während sich Stil, Farbgestaltung und grafische Umsetzung deutlich unterscheiden. Einige Entwürfe setzen sogar auf ein Hochformat, das an die alltägliche Nutzung von Smartphones erinnert und dem Geldschein ein modernes Erscheinungsbild verleihen soll.
Wie sehen die neuen Euro-Banknoten aus?
Die Europäische Zentralbank hat sich auf zwei Themenwelten festgelegt, zwischen denen später eine endgültige Entscheidung getroffen wird.
Die erste trägt den Titel „Europäische Kultur“. Sie zeigt bekannte Persönlichkeiten wie Ludwig van Beethoven, Marie Curie oder Leonardo da Vinci auf der Vorderseite. Auf der Rückseite erscheinen Bibliotheken, Museen, Schulen und andere kulturelle Einrichtungen aus ganz Europa.
Die zweite Themenwelt heißt „Flüsse und Vögel“. Hier stehen heimische Vogelarten und europäische Flusslandschaften im Mittelpunkt. Ergänzt werden sie auf der Rückseite durch Gebäude europäischer Institutionen wie das Europäische Parlament oder andere Einrichtungen der Europäischen Union.
Unabhängig vom späteren Sieger bleiben Form und Farbe der einzelnen Stückelungen erhalten. Dadurch können Menschen mit Sehbeeinträchtigungen sowie alle Nutzer die Banknoten weiterhin leicht unterscheiden. Auch die bekannten Farben der einzelnen Werte bleiben erhalten, damit die Wiedererkennung im Alltag gewährleistet ist.
Welche Motive stehen zur Auswahl?
Die beiden Themenwelten unterscheiden sich deutlich in ihrer Aussage, sollen jedoch beide die gemeinsame Identität Europas widerspiegeln. Während die eine Variante den kulturellen Reichtum des Kontinents in den Mittelpunkt stellt, hebt die andere Natur, Artenvielfalt und europäische Landschaften hervor. Beide Konzepte wurden auf Grundlage umfangreicher Bürgerbefragungen entwickelt.
| Themenwelt | Vorderseite | Rückseite |
|---|---|---|
| „Europäische Kultur“ | Bedeutende Persönlichkeiten wie Ludwig van Beethoven, Marie Curie oder Leonardo da Vinci | Bibliotheken, Museen, Universitäten und weitere Kulturstätten |
| „Flüsse und Vögel“ | Heimische Vogelarten sowie europäische Flusslandschaften | Gebäude europäischer Institutionen |
Interessant ist auch die künstlerische Umsetzung. Obwohl innerhalb einer Themenwelt immer dieselben Motive verwendet werden, unterscheiden sich die fünf Varianten deutlich. Manche Entwürfe wirken fotorealistisch, andere setzen auf moderne grafische Elemente oder futuristische Illustrationen. Dadurch entsteht eine große stilistische Bandbreite, obwohl die Bildinhalte identisch bleiben.
Von fotorealistisch bis Hochformat
Zu den auffälligsten Ideen gehören Entwürfe im vertikalen Smartphone-Format. Dieses Hochformat orientiert sich an den heutigen Sehgewohnheiten vieler Menschen und würde sich deutlich von den bisherigen Banknoten unterscheiden. Ob sich ein solcher Entwurf am Ende durchsetzt, entscheidet jedoch erst der weitere Auswahlprozess.
Auch Farben, Schriftgestaltung und grafische Details variieren zwischen den fünf Varianten jeder Themenwelt erheblich. Die EZB möchte dadurch herausfinden, welche Gestaltung in der Bevölkerung die größte Zustimmung erhält und gleichzeitig funktionale Anforderungen erfüllt.
Wie läuft die Online-Umfrage der EZB ab?
Seit dem 23. Juli 2026 können Bürgerinnen und Bürger ihre bevorzugten Gestaltungsvorschläge online bewerten. Die öffentliche Beteiligung endet am 21. September 2026 und richtet sich an Europäerinnen und Europäer aus dem gesamten Euroraum.
Die Online-Umfrage der EZB ersetzt allerdings nicht die endgültige Entscheidung der Notenbank. Parallel führt ein unabhängiges Marktforschungsinstitut eine repräsentative Befragung durch. Dadurch soll verhindert werden, dass organisierte Abstimmungen das Ergebnis verzerren. Das Feedback der europäischen Bevölkerung fließt anschließend gemeinsam mit den Ergebnissen dieser repräsentativen Erhebung in die Beratungen des EZB-Rats ein.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte bei der Vorstellung der Finalentwürfe, dass die Bevölkerung eine wichtige Rolle im Auswahlverfahren einnimmt. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank sieht die neue Banknotenserie als Möglichkeit, Europa auch im Alltag sichtbarer zu machen und die gemeinsame Identität zu stärken.
Wann wurde das Design der Euro-Scheine geändert?
Seit der Einführung des Euro im Jahr 2002 blieb das Grundkonzept der Banknoten nahezu unverändert. Zwar erschienen zwischen 2013 und 2019 schrittweise die Banknoten der zweiten Serie, doch deren Gestaltung orientierte sich weiterhin eng an den ursprünglichen Motiven.
Damals kamen modernere Sicherheitsmerkmale hinzu, etwa das Porträt der Europa im Hologramm und im Wasserzeichen oder die Farbe von Smaragdgrün beim Sicherheitsstreifen. Das bekannte Erscheinungsbild mit Brücken, Toren und Fenstern blieb jedoch erhalten.
Die aktuelle Neugestaltung geht deutlich weiter. Erstmals verabschiedet sich Europa vom ursprünglichen Abstraktionsprinzip. Statt fiktiver Bauwerke sollen künftig reale Persönlichkeiten, Naturmotive oder europäische Einrichtungen die Geldscheine prägen. Genau dieser Schritt sorgt seit Monaten für intensive Diskussionen.
Auch Robert Kalina, der Designer der ersten Serie der Euro-Banknoten, äußerte sich kritisch. Vor allem das Motiv „Flüsse und Vögel“ bewertete er skeptisch und erklärte öffentlich, solche Darstellungen würden eher auf Briefmarken passen als auf die wichtigste Banknotenserie Europas.
Wie lange sind die alten Euro-Scheine noch gültig?
Wer befürchtet, seine heutigen Geldscheine könnten bald ihren Wert verlieren, kann beruhigt sein. Selbst nach der Einführung der neuen Euro-Banknoten werden die bisherigen Banknoten noch über viele Jahre hinweg gesetzliches Zahlungsmittel bleiben. Ein kurzfristiger Austausch ist nicht geplant, auch wenn die neuen Euro Scheine nach und nach in den Umlauf kommen.
Die Europäische Zentralbank und die Deutsche Bundesbank werden rechtzeitig über den genauen Ablauf informieren. Erfahrungsgemäß bleiben alte und neue Scheine zunächst parallel im Umlauf. Erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheidet die Notenbank, wann einzelne Ausgaben aus dem Zahlungsverkehr genommen werden. Selbst danach können sie in der Regel noch über die nationalen Zentralbanken umgetauscht werden.
Für Verbraucher bedeutet das, dass nach der Einführung der neuen Scheine kein Handlungsbedarf besteht. Bargeld im Portemonnaie behält seinen Wert und kann weiterhin zum Bezahlen verwendet werden. Banken und Einzelhandel werden den Austausch schrittweise begleiten.
Was passiert mit dem 500-Euro-Schein?
Eine Änderung gibt es beim höchsten Nennwert nicht. Der 500-Euro-Schein wird weiterhin nicht neu produziert. Die Europäische Zentralbank hatte die Ausgabe bereits 2019 eingestellt, weil der Geldschein nach Einschätzung der Notenbank für Geldwäsche und illegale Geschäfte missbraucht werden konnte.
Bereits ausgegebene Exemplare bleiben jedoch weiterhin gültig. Sie können nach wie vor zum Bezahlen verwendet oder dauerhaft bei den nationalen Zentralbanken umgetauscht werden.
Welche Stückelungen und Sicherheitsmerkmale bleiben erhalten?
Auch wenn sich das Erscheinungsbild deutlich verändern könnte, bleibt die Stückelung der Banknoten unverändert. Die künftige Euro-Banknotenserie wird erneut aus sechs Werten bestehen.
- 5 Euro
- 10 Euro
- 20 Euro
- 50 Euro
- 100 Euro
- 200 Euro
Der 20-Euro-Schein bleibt wie bisher die am häufigsten verwendete Banknote im Euroraum. Auch die neuen 100- und 200-Euro-Banknoten behalten ihre bekannten Größen und Farben, damit sie im Alltag schnell erkannt werden können.
Darüber hinaus arbeitet die EZB an weiteren Sicherheitsmerkmalen, die Fälschungen noch schwieriger machen sollen. Welche Technologien konkret eingesetzt werden, wird erst kurz vor der Einführung veröffentlicht. Bekannt ist bereits, dass neue Druckverfahren, verbesserte Hologramme und zusätzliche Echtheitsmerkmale zum Einsatz kommen sollen. Gleichzeitig achtet die Europäische Zentralbank darauf, dass die Geldscheine für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen einfach zu unterscheiden bleiben.
Die nächsten Schritte bis zur Euro-Scheine Einführung
Nach dem Ende der Abstimmung beginnt die eigentliche Entscheidungsphase. Das Feedback der Bürgerinnen und Bürger sowie die Ergebnisse der repräsentativen Befragung werden ausgewertet und dem EZB-Rat vorgelegt. Dieser entscheidet voraussichtlich gegen Jahresende, welche Entwurfsserie umgesetzt wird.
Anschließend beginnt eine mehrjährige Entwicklungsphase. Druckmaschinen müssen angepasst, Materialien getestet und Millionen neuer Banknoten produziert werden. Zusätzlich werden Geldautomaten, Einzahlungsautomaten und Prüfgeräte in Banken und Unternehmen auf die neue Euro-Banknotenserie vorbereitet.
Erst wenn sämtliche technischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen erfüllt sind, startet die schrittweise Ausgabe im gesamten Euroraum. Nach aktuellem Stand ist daher frühestens 2028 oder 2029 mit den ersten neuen Scheinen im Alltag zu rechnen.
Fazit: Neue Euro Scheine verändern Europas Bargeld dauerhaft
Die neuen Euro Scheine stehen für die größte Veränderung des Euro-Bargelds seit der Einführung des Euro im Jahr 2002. Mit der öffentlichen Abstimmung, den beiden Themenwelten „Europäische Kultur“ und „Flüsse und Vögel“ sowie modernen Sicherheitsmerkmalen beginnt ein neues Kapitel für Europas gemeinsame Währung.
Bis die ersten Banknoten im Portemonnaie landen, werden zwar noch einige Jahre vergehen, doch der entscheidende Auswahlprozess läuft bereits. Alte Scheine behalten ihren Wert, während die künftige Generation das Erscheinungsbild des Euro für viele Jahre prägen wird.






