Der Markt für Cannabidiol steht in Deutschland vor einer seiner größten Herausforderungen. Bislang verkauften Händler und Hersteller ihre Produkte oft mit einer zwei- bis dreistelligen Milligramm-Angabe pro Verzehrempfehlung, doch jetzt gibt es eine neue wissenschaftliche Risikobewertung mit Unruhepotenzial.
Wenn Sie sich mit dem Hanfmarkt entwickeln ist es unschwer zu erkennen, wie viel Sprengpotenzial diese Einstufung mitbringt. Der Wert könnte die Vermarktung und die Einstufung vieler Produkte komplett umkrempeln.
Ein tiefer Einschritt für den Handel mit CBD-Ölen
Die Tragweite der veröffentlichten Zahl wird besonders deutlich, wenn Sie die gängigen Dosierungen bei frei verkäuflichen CBD-Ölen unter die Lupe nehmen. Ein typisches Öl mit einer Konzentration von fünf Prozent enthält pro Tropfen bereits 1,5 bis 2 mg reines Cannabidiol. Bei einem zehn- oder zwanzigprozentigen Extrakt liefert ein einziger Tropfen schon ein Vielfaches des neu diskutierten Grenzwertes.
Bislang empfahlen die Hersteller oft eine Einnahme von mehreren Tropfen morgens und abends, doch wenn Sie diese Praxis mit dem neuen Richtwert abgleichen wird klar, dass kaum ein handelsübliches Produkt in seiner bisherigen Darreichungsform konform bleiben würde.
Für Händler und Produzenten entsteht damit ein rechtliches Risiko bei der Bewerbung und Deklaration ihrer Waren.
Woher die Zahlen kommen und was die Behörden bemängeln
Hinter dem drastischen Richtwert steht eine wissenschaftliche Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Das dort ansässige Expertengremium für Ernährung, neuartige Lebensmittel und Lebensmittelallergene leitete einen vorläufig sicheren Aufnahmewert von 0,0275 mg CBD pro Kilogramm Körpergewicht und Tag ab. Umgerechnet auf den durchschnittlichen Erwachsenen mit einem Körpergewicht von 70 Kilogramm ergibt sich daraus eine Summe von zwei Milligramm pro Tag.
Die Behörde begründet die vorsichtige Haltung mit den zu großen Datenlücken bezüglich möglicher Langzeitfolgen. Da eindeutige toxikologische Studien bezüglich der Leberwerte, des Hormonsystems und des Magen-Darm-Trakts bei gesunden Konsumenten noch fehlen, wendeten die Wissenschaftler einen sehr hohen Unsicherheitsfaktor an. Auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung verweist seit Langem auf potenzielle Risiken und fordert strengere Sicherheitsstandards.
Drohende Folgen für Hersteller und Handel
Sollte sich dieser Wert als verbindlicher Maßstab für Novel-Food-Zulassungen und behördliche Kontrollen in Deutschland durchsetzen, gibt es für Unternehmen deutliche Veränderungen.
Wenn sie zukünftig Produkte anbieten, müssten die Dosierungshinweise auf den Etiketten entweder verschwinden oder deutlich nach unten korrigiert werden. Damit sinkt natürlich auch der Kaufbedarf der Verbraucher und das wiederum reduziert die Verkaufsmengen.
Stark konzentrierte Extrakte ließen sich kaum noch als Nahrungsergänzungsmittel vermarkten, da sie den Grenzwert schon bei minimalen Dosen überschreiten. Es ist daher denkbar, dass vor allem hochkonzentrierte Öle vom Markt verschwinden.
In Deutschland könnte die Lebensmittelüberwachungsbehörde der Bundesländer Produkte mit höheren Tagesdosen beanstanden und sogar aus dem Verkehr ziehen.
Der Wendepunkt für die gesamte Branche?
Die Festlegung auf 2 mg CBD pro Tag zeigt, dass die Phase der regulatorischen Grauzonen bald vorbei sein könnte. Wenn sich Unternehmer im deutschen CBD-Markt weiterhin etablieren wollen, sollten sie künftig mit strengen Auflagen rechnen. Die Debatte zwingt die Industrie in jedem Fall dazu, selbst in eigene klinische Sicherheitsstudien zu investieren, um fundierte Daten für hohe Tagesdosen vorzulegen.
Bis dahin bleibt der 2 mg Wert ein Damoklesschwert für alle Akteure, die auf verzehrbare Hanfprodukte im deutschen Handel setzen.




