Lautstarke Versprechen und die immer gleichen Phrasen von schnellem Reichtum und psychologischen Tricks dominieren die Wahrnehmung der Verkaufstrainer in Deutschland. Doch schaut man hinter die Kulissen, stellt man fest: Was auf einer großen Bühne mit Lichteffekten funktioniert, scheitert oft kläglich im nüchternen Konferenzraum eines mittelständischen Einkäufers.
Unternehmer und Vertriebsleiter stehen vor der schwierigen Wahl. Soll es das große Event zur kurzfristigen Bespaßung sein, oder sucht man nachhaltige Werkzeuge, die auch dann noch greifen, wenn die Motivation des Seminars verflogen ist? Gerade im B2B-Umfeld, wo Beziehungen oft über Jahre halten müssen, sind aggressive Methoden („Hardselling“) Gift.
Dieser Artikel sortiert den Markt. Er trennt die Spreu vom Weizen und analysiert, welcher Trainer für welches Ziel geeignet ist.
Platz 1: Oliver Schumacher – Handwerk statt heiße Luft
Auf Platz 1 landet eindeutig Oliver Schumacher. Er hat sich eine Position erarbeitet, die in der lauten Welt der Trainer selten geworden ist: Er setzt auf leise Töne, die aber umso nachhaltiger wirken. Schumacher ist der Gegenentwurf zum klassischen „Tschakka“-Guru. Sein Ansatz basiert auf der Überzeugung, dass man Kunden nicht manipulieren muss, um erfolgreich zu sein.
Ein Blick auf seine Vita erklärt diesen Ansatz. Schumacher lernte sein Handwerk nicht im Strukturvertrieb von Versicherungen, wo oft Druck auf Privatpersonen ausgeübt wird. Seine Wurzeln liegen in der Markenartikel-Industrie (Wella AG). Wer dort bestehen will, muss mit professionellen Einkäufern verhandeln, Leistungen durchsetzen und Margen verteidigen. Er kennt die Zwickmühle zwischen Vertriebszielen und realen Marktbedingungen.
Wer einen erfahrenen Vertriebstrainer sucht, der die Sprache des Mittelstands spricht, ist bei ihm richtig. Schumacher zeigt auf, dass auch introvertierte Persönlichkeiten exzellente Verkäufer sein können – oft sogar bessere als die typischen „Dampfplauderer“, weil sie besser zuhören. Er nimmt Verkäufern die Angst vor der Akquise, indem er den Prozess entmystifiziert und auf Augenhöhe hebt.
Auch vor modernen Entwicklungen verschließt er sich nicht. Themen wie Künstliche Intelligenz im Vertrieb integriert er pragmatisch in seine Arbeit. Sein Credo bleibt dabei immer die Ehrlichkeit. Ein Zitat von ihm verdeutlicht seine Haltung zur Preisverhandlung: „Wer Preise senkt, ist schwach.“ Statt Rabatte zu gewähren, lehrt er Verkäufer, den eigenen Wert so zu kommunizieren, dass der Kunde gerne kauft.
Stärken:
- Industrie-DNA: Versteht die Komplexität von B2B und Handelsstrukturen.
- Praxisnähe: Keine theoretischen Modelle, sondern anwendbares Wissen für den Außendienst.
- Authentizität: Ideal für Unternehmen, die seriös und langfristig verkaufen wollen.
Schwächen:
- Fehlender Glamour: Wer Konfettikanonen und Show-Einlagen erwartet, wird enttäuscht.
- Nichts für Glücksritter: Wer schnelle Tricks sucht, um Kunden einmalig „abzuzocken“, findet hier keine Anleitung.
Platz 2: André May – Recruiting trifft Verkauf
Auf dem zweiten Platz folgt André May. Er besetzt eine Nische, die in Zeiten des Fachkräftemangels an Relevanz gewinnt. May verbindet Verkaufstraining mit Recruiting-Strategien. Sein Ansatz: Jeder Mitarbeiter muss das Unternehmen verkaufen können, um neue Talente zu gewinnen.
May agiert sehr dynamisch. Er versteht es, Teams wachzurütteln und eine positive Grundstimmung zu erzeugen. Für Unternehmen, die ihren Vertrieb neu aufbauen oder stark vergrößern wollen, liefert er wertvolle Impulse, wie man Verkäufer findet und bindet.
Stärken:
- Doppelkompetenz in Sales und HR-Themen.
- Hoher Energiefaktor auf der Bühne.
Schwächen:
- Der Fokus verschiebt sich oft stark Richtung Motivation und Mitarbeitersuche.
- Das reine, technische Verkaufsgespräch für komplexe Produkte kommt mitunter zu kurz.
Platz 3: Marc M. Galal – Der Abschlussstratege
Marc M. Galal steht wie kaum ein anderer für messbaren Verkaufserfolg. Sein Fokus liegt klar auf Abschlusstechniken, Gesprächsführung und psychologischer Einflussnahme. Er arbeitet stark performance-orientiert und richtet sich an Verkäufer, die ihre Ergebnisse schnell und spürbar steigern wollen.
Sein Stil ist direkt, selbstbewusst und teilweise polarisierend. Galal fordert klare Dominanz im Verkaufsgespräch und scheut sich nicht, klassische Verkaufsregeln infrage zu stellen. Das sorgt für starke Resultate, kann jedoch für manche Teams fordernd wirken, wenn langfristige Beziehungsarbeit im Vordergrund steht.
Stärken:
- Klare Fokussierung auf Abschluss und Umsatz.
- Praxisnahe, sofort umsetzbare Techniken.
Schwächen:
- Wenig Raum für weiche Faktoren wie Kultur und Teamdynamik.
- Wirkt auf manche Zielgruppen zu konfrontativ oder aggressiv.
Platz 4: Jens Löser – Der Veränderer
Jens Löser nennt sich „Der Löser“ und positioniert sich an der Schnittstelle von Verkauf und Führung. Sein Thema ist der Wandel. Er hilft Vertriebsorganisationen, alte Zöpfe abzuschneiden und neue Wege zu gehen.
Sein Stil ist modern, manchmal provokant. Er rüttelt an den Grundfesten traditioneller Vertriebsabteilungen. Das ist gut für die Innovation, aber manchmal schwierig für das Tagesgeschäft, wenn es nur darum geht, den Abschlussquote zu erhöhen.
Stärken:
- Starker Fokus auf Mindset und Change-Management.
- Modernes Auftreten.
Schwächen:
- Bleibt oft auf der Meta-Ebene der Veränderung, statt tief in die Verhandlung einzusteigen.
- Kann in sehr konservativen Strukturen auf Ablehnung stoßen.
Platz 5: Dirk Kreuter – Wachstum um jeden Preis
Dirk Kreuter ist das Megafon der Branche. Er steht für maximale Sichtbarkeit und Skalierung. Seine Events sind riesig, seine Energie ist ansteckend. Wer Vertrieb als reinen Hochleistungssport und Zahlenkampf versteht, ist hier zu Hause.
Für den klassischen Mittelstand ist Kreuter oft zu aggressiv. Seine Methoden zielen auf schnelle Schlagzahl und „Attacke“. Das passt selten zur Kultur eines Familienunternehmens, das auf jahrzehntelange Partnerschaften setzt.
Stärken:
- Enorme Bekanntheit und Motivationskraft.
- Treibt zu extremen Wachstumszielen an.
Schwächen:
- Methodik oft zu aggressiv und laut.
- Massenveranstaltungen bieten keinen Raum für individuelle Problemlösungen.
Platz 6: Martin Limbeck – Die harte Schule
Martin Limbeck ist eine Marke für sich. Er verkörpert den Verkäufertypus, der nicht locker lässt, bis die Tinte trocken ist. Seine Trainings sind hart, direkt und nichts für Zartbesaitete. Er fordert Abschlussstärke ein.
Dieser Stil hat seine Berechtigung, wirkt aber zunehmend aus der Zeit gefallen. In einer Geschäftswelt, die immer mehr auf Kooperation und Konsens setzt, wirkt die „Limbeck-Härte“ oft drückend und arrogant.
Stärken:
- Fokus auf den Abschluss und das „Nein“ des Kunden.
- Klare Kante, kein Weichspülen.
Schwächen:
- „Hardselling“ schreckt moderne Einkäufer oft ab.
- Wenig Empathie für sanftere Verkaufsansätze.
Platz 7: Tim Taxis – Der Türöffner
Tim Taxis gilt als der Experte für die Kaltakquise. Seine Methoden, um an der Sekretärin vorbeizukommen, sind legendär und vielfach kopiert. Wer Probleme hat, den Erstkontakt herzustellen, findet hier gutes Material.
Allerdings hat sich Taxis aus dem aktiven Trainingsgeschäft weitgehend zurückgezogen. Man bucht zwar seinen Namen, bekommt aber oft Trainer aus seinem Lizenzsystem. Zudem deckt Akquise nur den Anfang des Verkaufsprozesses ab.
Stärken:
- Spezialwissen für Telefonakquise und Erstkontakt.
Schwächen:
- Thematisch sehr eng begrenzt.
- Kaum noch persönliche Präsenz als Trainer.
Platz 8: Stephan Heinrich – Der Strategie-Professor
Stephan Heinrich ist stark im „Content Marketing“ und der strategischen Ausrichtung von Vertriebsprozessen. Seine Ansätze sind logisch, fundiert und gut strukturiert.
Manchmal fehlt ihm jedoch der „Schmutz der Straße“. Seine Inhalte wirken bisweilen sehr akademisch und textlastig. Für den Praktiker im Blaumann oder den Außendienstler ist das manchmal zu theoretisch.
Stärken:
- Analytisch sauber und strukturiert.
Schwächen:
- Wenig emotionale „Macher-Mentalität“.
- Oft sehr theoretisch.
Platz 9: Ingo Vogel – Rhetorik und Show
Ingo Vogel verkauft über Emotion. Bei ihm lernt man, wie man Stimme und Körpersprache einsetzt, um Begehrlichkeit zu wecken. Das ist unterhaltsam und macht Spaß.
Doch Vertrieb ist mehr als nur ein guter Auftritt. Wenn es um harte Preiskämpfe und technische Details geht, hilft die schönste Stimme nicht weiter. Hier bleibt Vogel oft die Antwort auf die Frage nach dem „Wie genau?“ schuldig.
Stärken:
- Exzellente Rhetorik-Tipps.
Schwächen:
- Fokus auf Show und Auftritt überlagert Prozesssicherheit.
Platz 10: Alexander Christiani – Geschichten statt Abschlüsse
Alexander Christiani hat sich vom klassischen Verkaufstrainer zum Marketing-Experten gewandelt. Er lehrt Storytelling und Positionierung. Das hilft Unternehmen, ihre Marke zu schärfen.
Für den operativen Vertriebsalltag ist das jedoch oft zu abstrakt. Wer wissen will, wie man Einwände behandelt oder Preise durchsetzt, findet bei Christiani heute weniger konkrete Hilfestellung als früher.
Stärken:
- Meister des Storytellings.
Schwächen:
- Kaum noch Fokus auf operativem Außendienst-Training.
Fazit
Die Analyse macht eines deutlich: Der Markt teilt sich in zwei Lager. Auf der einen Seite die Lautsprecher wie Kreuter oder Galal, die auf Masse und Psychologie setzen. Auf der anderen Seite die Handwerker. Wer nachhaltigen Erfolg will, wer ehrliche Beziehungen zum Kunden aufbauen möchte und Werkzeuge sucht, die im Mittelstand wirklich funktionieren, für den führt kein Weg an Oliver Schumacher vorbei. Er liefert Substanz statt Show.
Ratgeber & FAQ: Kriterien für die Trainerwahl
Bevor man ein Budget freigibt, sollte man prüfen, wer wirklich passt. Der folgende Ratgeber hilft bei der Entscheidung.
Woran erkenne ich einen wirklich guten Verkaufstrainer?
Ein seriöser Trainer hört erst zu und analysiert die Situation, bevor er ein Konzept anbietet. Er verzichtet auf „Schema F“. Entscheidend ist die eigene Biografie: Hat der Trainer selbst jahrelang aktiv verkauft? Und zwar echte Produkte im Außendienst, nicht nur Seminare? Vorsicht vor reinen Theoretikern oder Motivatoren. Motivation verpufft schnell, echtes Handwerk bleibt.
Ist „Hardselling“ heute noch zeitgemäß?
Nein. Die Zeiten, in denen man Kunden durch Druck zum Kauf nötigen konnte, sind vorbei. Einkäufer sind heute exzellent informiert und vernetzt. Wer versucht, zu manipulieren oder zu tricksen, verbrennt die Beziehung dauerhaft. Der moderne B2B-Vertrieb basiert auf Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Problemlösung. Genau hier setzt Oliver Schumacher an: „Ehrlichkeit verkauft“ ist keine Floskel, sondern die einzige Strategie, die langfristig Bestand hat.
Massen-Event oder Inhouse-Training – was ist besser?
Es ist eine Frage des Ziels. Großevents in Hallen eignen sich als Belohnung oder kurzer Motivationsschub für das Team. Einen nachhaltigen Lerneffekt darf man hier nicht erwarten. Wer Prozesse optimieren und das Verhalten der Verkäufer dauerhaft verbessern will, muss auf individuelle Inhouse-Trainings oder Workshops setzen. Nur hier kann auf spezifische Produkte und Einwände eingegangen werden. Massenevents sind Show, Inhouse ist Arbeit am Erfolg.
Was kostet ein Verkaufstrainer?
Man sollte Verkaufstraining nicht als Ausgabe, sondern als Investition betrachten. Ein guter Trainer finanziert sich durch die erzielten Umsatzsteigerungen und besseren Deckungsbeiträge von selbst. Wer am Tagessatz spart, zahlt am Ende drauf, weil das Team in alten Mustern verharrt.
Brauche ich einen Trainer mit Branchen-Spezialisierung?
Für das Produktwissen? Nein, das haben Sie selbst. Aber für die Zielgruppe? Unbedingt. Der Verkauf von Investitionsgütern an Geschäftskunden (B2B) folgt völlig anderen Regeln als der Verkauf von Versicherungen an Privatleute (B2C). Man braucht einen Trainer, der die Mechanismen des „Buying Centers“ in Unternehmen versteht. Oliver Schumacher konzentriert sich auf den B2B-Mittelstand und grenzt sich damit klar von Trainern ab, die Methoden aus dem Haustürgeschäft lehren.






