Gesundheit

Puls zu hoch – was tun und welche Hausmittel können Herzrasen senken?

Puls zu hoch – was tun und welche Hausmittel können helfen, wenn das Herz plötzlich schneller schlägt als gewohnt? Ein erhöhter Puls kann nach körperlicher Anstrengung völlig normal sein, aber ebenso durch Stress, Flüssigkeitsmangel, einen Infekt oder bestimmte Genussmittel entstehen. Bei Erwachsenen gelten in Ruhe etwa 60 bis 80 Schläge pro Minute als normal, wobei individuelle Abweichungen möglich sind. Liegt die Herzfrequenz in Ruhe wiederholt über 100 Schlägen pro Minute, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Nicht jeder schnelle Herzschlag bedeutet eine Herzerkrankung. Entscheidend sind die Situation, die Dauer, der Rhythmus und mögliche Begleiterscheinungen. Dieser Artikel zeigt, was hinter einem erhöhten Ruhepuls stecken kann, welche Maßnahmen kurzfristig sinnvoll sind und an welcher Stelle Selbsthilfe enden muss. Gerade weil intelligente Uhren und Fitnessarmbänder Veränderungen der Herzfrequenz heute früh sichtbar machen, lohnt es sich, Messwerte richtig einordnen zu können.

Wann ist ein hoher Puls gefährlich?

Wann ist ein hoher Puls gefährlich?

Das Herz eines Erwachsenen schlägt in Ruhe normalerweise etwa 60 bis 80 Mal pro Minute. Die American Heart Association nennt einen etwas weiteren Bereich von 60 bis 100 Herzschlägen pro Minute als typische Ruhefrequenz. Von einer Tachykardie spricht man im Allgemeinen, wenn das Herz in Ruhe mehr als 100 Mal pro Minute schlägt. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt, einen Ruhepuls über 100 Schlägen pro Minute ärztlich abklären zu lassen.

Ein einzelner erhöhter Wert nach dem Treppensteigen, während einer emotional belastenden Situation oder unmittelbar nach körperlicher Aktivität hat eine andere Bedeutung als ein dauerhaft hoher Puls beim Sitzen oder Liegen. Das Herz muss bei körperlicher Anstrengung mehr Sauerstoff und Nährstoffe durch den Körper transportieren, weshalb die Frequenz ansteigt. Problematischer wird es, wenn der schnelle Puls ohne nachvollziehbaren Auslöser auftritt, ungewöhnlich lange anhält oder regelmäßig wiederkehrt.

Puls richtig messen statt einzelnen Werten vertrauen

Wer seinen Puls gemessen hat und einen ungewöhnlichen Wert sieht, sollte zunächst einige Minuten ruhig sitzen oder liegen. Anschließend kann die Pulsmessung wiederholt werden. Am Handgelenk lassen sich Zeige- und Mittelfinger auf die Arterie legen, um den Pulsschlag zu ertasten. Neben der Zahl der Herzschläge pro Minute ist wichtig, ob der Herzschlag regelmäßig oder auffällig unregelmäßig erscheint.

Messungen durch eine intelligente Uhr können Veränderungen sichtbar machen, ersetzen jedoch keine medizinische Diagnose. Ein unregelmäßiger oder dauerhaft beschleunigter Ruhepuls kann beispielsweise bei Vorhofflimmern auftreten. Die Deutsche Herzstiftung rät bei einem unregelmäßigen Puls oder Werten von mehr als 100 Schlägen pro Minute in Ruhe zu einer zeitnahen ärztlichen Untersuchung.

Woher kommt plötzlich zu hoher Puls?

Manchmal liegt die Ursache direkt auf der Hand. Stress und Angst aktivieren das sympathische Nervensystem, körperliche Anstrengung lässt den Sauerstoffbedarf steigen und auch Fieber oder ein Infekt können die Herzfrequenz erhöhen. Flüssigkeitsverlust kann den Kreislauf zusätzlich belasten, während eine Schilddrüsenüberfunktion, Blutarmut oder bestimmte Medikamente ebenfalls hinter einem ungewöhnlich schnellen Herzschlag stecken können. Auch Störungen des Elektrolythaushalts kommen als Auslöser infrage.

Koffein wird häufig vorschnell zum alleinigen Schuldigen gemacht. Nach einer wissenschaftlichen Stellungnahme der American Heart Association von 2026 gelten bis zu 400 Milligramm Koffein täglich für die meisten Erwachsenen als unbedenklich. Die individuelle Reaktion unterscheidet sich jedoch erheblich und kurzfristig kann Koffein Herzfrequenz und Blutdruck erhöhen oder Herzklopfen auslösen. Hochkonzentrierte koffeinhaltige Energiegetränke werden kritischer bewertet, da hohe Mengen mit Herzrhythmusstörungen in Verbindung gebracht werden.

Wie bekomme ich den Puls wieder runter?

Ist eine harmlose Ursache wahrscheinlich und fehlen Warnzeichen, beginnt die einfachste Maßnahme mit Ruhe. Hinsetzen, körperliche Aktivität unterbrechen und bewusst langsam atmen kann helfen, die Aktivierung des sympathischen Nervensystems zu reduzieren. Wer zuvor wenig getrunken, stark geschwitzt oder Sport gemacht hat, kann zudem Wasser trinken. Alkohol, Nikotin und weitere koffeinhaltige Getränke sollten zunächst vermieden werden.

Eine langsame Atmung kann die parasympathische Aktivität fördern. Statt sich auf eine bestimmte Atemformel zu versteifen, ist vor allem ein ruhiger Rhythmus mit längerer Ausatmung sinnvoll. Beispielsweise lässt sich vier Sekunden lang einatmen und anschließend sechs bis acht Sekunden langsam ausatmen. Wer durch Atemübungen Schwindel bekommt, sollte wieder normal atmen und sich hinsetzen.

Vagusnerv aktivieren und den Herzschlag verlangsamen

Der Vagusnerv gehört zum parasympathischen Nervensystem und beeinflusst unter anderem die Herzfrequenz. Bei bestimmten supraventrikulären Tachykardien können sogenannte vagale Manöver den schnellen Rhythmus unterbrechen. Zu diesen Verfahren gehört das Valsalva Manöver, bei dem nach ärztlicher Anleitung Druck im Brust und Bauchraum aufgebaut wird. Die Deutsche Herzstiftung beschreibt auch kaltes Wasser als möglichen Reiz zur Aktivierung des Vagusnervs bei anfallsartigem Herzrasen.

Solche Verfahren sind jedoch nicht für jede Form von Herzrasen geeignet und kein Ersatz für eine Diagnose. Eine Massage der Halsschlagader sollte niemals eigenständig durchgeführt werden. Wer wiederholt Anfälle von Herzrasen erlebt, sollte mit einem Kardiologen klären, welche Herzrhythmusstörung vorliegt und welche Technik im individuellen Fall geeignet ist.

Puls zu hoch – was tun und welche Hausmittel sind sinnvoll?

Puls zu hoch - was tun und welche Hausmittel sind sinnvoll?

Puls zu hoch – was tun und welche Hausmittel eignen sich also tatsächlich für zu Hause? Bei einer vorübergehenden Erhöhung durch Stress, Wärme, leichte Dehydrierung oder körperliche Belastung können einfache Maßnahmen ausreichen. Das Ziel besteht nicht darin, einen bestimmten Zahlenwert möglichst schnell zu erzwingen, sondern dem Kreislauf die Möglichkeit zu geben, sich zu normalisieren.

Sinnvoll können je nach Situation folgende Maßnahmen sein:

  • Körperliche Belastung unterbrechen und einige Minuten ruhig sitzen
  • Langsam und kontrolliert atmen
  • Bei Flüssigkeitsmangel Wasser trinken
  • Vorläufig auf Alkohol und Nikotin verzichten
  • Bei empfindlicher Reaktion kein weiteres Koffein konsumieren
  • Nach einigen Minuten erneut den Puls messen
  • Bei wiederholt erhöhten Werten Zeitpunkt, Dauer und mögliche Auslöser notieren

Ein Hausmittel darf allerdings niemals dazu führen, medizinische Warnsignale zu ignorieren. Tritt der schnelle Herzschlag zusammen mit Brustschmerzen, Atemnot, Bewusstlosigkeit, starker Benommenheit oder ausgeprägtem Schwindel auf, ist eine sofortige medizinische Beurteilung erforderlich. Auch eine bekannte Herzerkrankung verändert die Risikobewertung deutlich.

Was nimmt man bei hohem Puls?

Es gibt kein frei verkäufliches Mittel, das einen ungeklärten hohen Puls sicher behandeln sollte. Welche Medikamente eingesetzt werden, hängt vollständig von der Ursache ab. Bei bestimmten Erkrankungen kommen beispielsweise Betablocker, Ivabradin oder andere Medikamente zur Frequenzkontrolle infrage. Die Deutsche Herzstiftung weist ausdrücklich darauf hin, dass die Entscheidung über eine solche Behandlung durch den behandelnden Arzt oder Kardiologen getroffen werden sollte.

Auch Magnesium sollte nicht vorsorglich als Akutmittel gegen Herzrasen betrachtet werden. Ein ausgeprägter Magnesiummangel kann zwar Herzrasen und Herzrhythmusstörungen verursachen, doch lässt sich ein Mangel am zuverlässigsten durch eine medizinische Untersuchung feststellen. Das Bundesgesundheitsportal warnt zudem davor, frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel unkritisch einzunehmen, da eine falsche Dosierung möglich ist. Eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Saaten und einer Handvoll Nüsse trägt zur normalen Magnesiumversorgung bei.

Welcher Tee beruhigt den Puls?

Ein Tee kann ein angenehmes Ritual zur Entspannung sein, aber eine Tachykardie nicht zuverlässig behandeln. Einige koffeinfreie Kräutertees werden traditionell zur Beruhigung und Entspannung verwendet und können daher sinnvoll sein, wenn Stress oder innere Unruhe den Puls erhöhen. Für die Behauptung, ein bestimmter Tee könne einen akut hohen Puls gezielt senken, gibt es jedoch keine ausreichend belastbare Grundlage.

Tee Mögliche Wirkung Bei hohem Puls
Melissentee kann beruhigend und entspannend wirken geeignet bei stressbedingter Unruhe
Kamillentee wird traditionell zur Beruhigung eingesetzt als koffeinfreies Getränk geeignet
Lavendeltee kann Entspannung und innere Ruhe unterstützen kann bei nervöser Unruhe hilfreich sein
Baldriantee wird traditionell bei nervöser Unruhe eingesetzt eher zur allgemeinen Entspannung geeignet
Weißdorntee wird traditionell zur Unterstützung der Herz-Kreislauf-Funktion verwendet keine zuverlässige Akutwirkung bei Herzrasen belegt
Grüner Tee enthält Koffein und kann anregend wirken bei Koffeinempfindlichkeit eher vermeiden
Schwarzer Tee enthält Koffein und kann Herzklopfen begünstigen bei akut erhöhtem Puls eher vermeiden

Auch pflanzlich bedeutet nicht automatisch harmlos. Weißdorn wird beispielsweise traditionell bei Herzbeschwerden eingesetzt, doch für Herzrhythmusstörungen gibt es keine ausreichenden Belege für eine zuverlässige Wirkung. Zudem können pflanzliche Präparate Wechselwirkungen mit Arzneimitteln haben. Wer Medikamente gegen Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen einnimmt, sollte entsprechende Präparate deshalb nicht ohne Rücksprache verwenden.

Herzrasen nach Essen, Kaffee oder einem Infekt

Ein schneller Puls kann in Situationen auftreten, die zunächst kaum mit dem Herzen verbunden erscheinen. Nach einer größeren Mahlzeit verändert sich die Kreislaufregulation, weil die Verdauungsorgane stärker durchblutet werden. Auch Flüssigkeitsmangel, Fieber und die körperliche Belastung während eines Infekts können den Ruhepuls erhöhen. Nach überstandener Erkrankung sollte sich die Herzfrequenz mit der Erholung wieder dem persönlichen Ausgangswert annähern.

Puls zu hoch – was tun und welche Hausmittel helfen, wenn Kaffee als Auslöser vermutet wird? Zunächst ist es sinnvoll, kein weiteres Koffein aufzunehmen und zu beobachten, ob sich der Herzschlag in Ruhe normalisiert. Die Datenlage von 2026 zeigt allerdings, dass normale Kaffeemengen nicht pauschal Herzrhythmusstörungen verursachen. Manche Menschen reagieren empfindlicher und bemerken schon bei geringeren Mengen Herzklopfen, während andere mehrere Tassen problemlos vertragen.

Wenn hinter dem hohen Puls eine Herzrhythmusstörung steckt

Wenn hinter dem hohen Puls eine Herzrhythmusstörung steckt

Anfallsartiges Herzrasen unterscheidet sich häufig von einem langsam ansteigenden Belastungspuls. Eine supraventrikuläre Tachykardie kann beispielsweise abrupt beginnen und ebenso plötzlich wieder enden. Beim sogenannten Wolff-Parkinson-White-Syndrom sind nach Angaben der Deutschen Herzstiftung Frequenzen zwischen 160 und 240 Herzschlägen pro Minute möglich. Solche Episoden gehören medizinisch abgeklärt, selbst wenn sie von allein verschwinden.

Auch Vorhofflimmern kann einen schnellen und vor allem unregelmäßigen Puls verursachen. Die Erkrankung erhöht bei bestimmten Betroffenen das Schlaganfallrisiko, weshalb ein wiederholt unregelmäßiger Herzschlag nicht allein mit Hausmitteln behandelt werden sollte. Eine ventrikuläre Tachykardie entsteht dagegen in den Herzkammern und kann lebensbedrohlich werden. Kammerflimmern führt zum Ausfall der Pumpfunktion und ist ein unmittelbarer medizinischer Notfall.

Wann muss ein hoher Ruhepuls ärztlich abgeklärt werden?

Ein dauerhaft hoher Puls sollte nicht allein danach bewertet werden, ob er unangenehm ist. Liegt die Frequenz in Ruhe wiederholt über 100 Schlägen pro Minute, empfiehlt die Deutsche Herzstiftung eine ärztliche Abklärung. Je nach Situation können ein Ruhe-EKG, ein Langzeit-EKG, Blutuntersuchungen oder weitere kardiologische Untersuchungen sinnvoll sein. Unter anderem lassen sich so Vorhofflimmern, eine Schilddrüsenüberfunktion oder andere Ursachen erkennen.

Sofortige Hilfe ist erforderlich, wenn zu dem schnellen Herzschlag ernsthafte Beschwerden kommen. Bei starken Brustschmerzen, deutlicher Atemnot, Bewusstlosigkeit, Verwirrtheit oder schweren Kreislaufproblemen sollte der Notruf 112 gewählt werden. Auch neu auftretendes starkes Herzrasen bei einer bekannten Herzerkrankung verdient eine rasche medizinische Einschätzung.

Fazit: Puls zu hoch – was tun und welche Hausmittel helfen?

Puls zu hoch – was tun und welche Hausmittel sinnvoll sind, hängt vor allem vom Auslöser und von den Begleitsymptomen ab. Ein vorübergehend erhöhter Puls nach körperlicher Anstrengung, Stress oder zu wenig Flüssigkeit kann sich durch Ruhe, Wasser und langsames Atmen wieder normalisieren. Werte von dauerhaft mehr als 100 Schlägen pro Minute in Ruhe sollten dagegen ärztlich abgeklärt werden. Ein hoher Wert ist ein Symptom und keine Diagnose.

Hausmitteln sind zudem klare Grenzen gesetzt. Wiederkehrendes Herzrasen, ein unregelmäßiger Herzschlag oder Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot, starker Schwindel und Bewusstlosigkeit gehören nicht in die Selbstbehandlung. Wer seinen Ruhepuls regelmäßig kontrolliert und Veränderungen ernst nimmt, kann harmlose Schwankungen besser von Auffälligkeiten unterscheiden und im entscheidenden Moment angemessen reagieren.

Antwort verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Next Article:

0 %