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Verpackungsmöglichkeiten aus Papier: Praktische Möglichkeiten zur Reduzierung von Plastik in der Lebensmittelbranche und im Einzelhandel

In der Gastronomie, im Einzelhandel und im E-Commerce werden Verpackungsentscheidungen schnell getroffen und im großen Maßstab umgesetzt und wiederholt. Folglich kann mit der Materialauswahl eine hohe operative Hebelwirkung erzielt werden.

Dank kontinuierlicher Weiterentwicklung können papierbasierte Lösungen mittlerweile eine Vielzahl von Funktionen erfüllen, für die bisher nur Kunststoff geeignet war – von Schutz und Präsentation bis hin zu Fett- und Hitzebeständigkeit. Das Ziel ist nicht mehr der bloße Ersatz, sondern die bewusste Entscheidung für Materialien, die den tatsächlichen Leistungsanforderungen gerecht werden und nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe und Recyclingsysteme eingebunden werden können.

Es gibt eine Reihe von Verpackungsherstellern, u. a. das finnische Unternehmen Carccu®, die bereits zeigen, wie derartige Ansätze in der Praxis umgesetzt werden können.

Im Folgenden finden Sie zehn zweckmäßige Konzepte, die derzeit in der Lebensmittelbranche und im Einzelhandel zum Einsatz kommen.

  1. Direktdruck auf Papier
    Im Flexodruckverfahren können kundenspezifische Logos und Markenzeichen direkt auf Kraft-, Sulfit- und Fettschutzpapiere aufgebracht werden. Dadurch entfällt der Bedarf an Kunststoffetiketten, Folien und Laminierung, und die gesamte Verpackung kann einem einheitlichen Materialstrom zugeordnet werden. Für den Lebensmittelkontakt vorgesehene, wasserbasierte Druckfarben gewährleisten konstante Druckergebnisse auf allen Papiersorten.
  2. Einschlagpapier auf Faserbasis
    Im Takeaway-Bereich können Kunststoffverpackungen durch Einschlagpapiere ersetzt werden, die speziell auf Fettbeständigkeit und Formstabilität ausgelegt sind. Sie zeichnen sich auch bei Hitze und Feuchtigkeit durch höchste Zuverlässigkeit aus und lassen sich problemlos in temporeiche Servicebereiche integrieren, ohne dass hierfür Änderungen an den Arbeitsabläufen erforderlich sind.
  3. Ersatz von Kunststoff-Deko
    Im Einzelhandel und im Blumenhandel haben Kunststoffelemente häufig eher dekorativen als funktionellen Charakter. Farbige und gemusterte Papiere bieten eine vergleichbare Ästhetik und können dennoch vollständig auf Faserbasis hergestellt werden. Saisonale Designs können unter Verwendung von wasserbasierten Druckfarben aufgebracht werden, was vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet ohne Zunahme der Materialkomplexität.
  4. Materialabstimmung auf nicht-fettende Lebensmittel
    Sulfitpapier eignet sich besonders gut für trockene und fettarme Lebensmittel. Dank seiner glatten Oberfläche ermöglicht es einen hochwertigen Druck, während die verschiedenen Grammaturen erlauben, dass das Material sowohl als Zwischenlage als auch als Einschlagpapier verwendet werden kann. Es lässt sich problemlos über herkömmliche Papierrecyclingströme recyceln.
  5. Frühzeitige Auswahl des Verpackungsmaterials
    Die Materialauswahl sollte bereits in der Entwurfsphase berücksichtigt werden, um zu vermeiden, dass der Prozess auf die „Standardlösung“ Kunststoff hinausläuft. Indem bei der Papierwahl solche Kriterien wie Festigkeit, Fett- oder Hitzebeständigkeit berücksichtigt werden, kann die Verpackungsleistung auf die tatsächlichen Einsatzbedingungen abgestimmt werden, was wiederum spätere Entscheidungen erleichtert.
  6. Ersatz von Plastiktüten
    Papiertragetaschen sind mittlerweile genauso stabil und benutzerfreundlich wie vergleichbare Kunststoffalternativen. Da sie vollständig aus faserbasiertem Material hergestellt werden, entfallen beim Recycling die üblichen Probleme mit gemischten Abfällen. Die Papiertragetaschen können in einem Materialstrom der Wiederverwertung zugeführt werden, wodurch sich ihr Lebenszyklus über den einmaligen Gebrauch hinaus verlängert.
  7. Alternative für Hohlraumfüllung und Schutz
    Kraftpapier kann Luftpolsterfolie und lose Füllmaterialien aus Kunststoff ersetzen. Zusammengeknüllt kann es als Füllmaterial dienen. Es kann als schützende Zwischenlage und selbstverständlich auch als Einschlagpapier verwendet werden. Dank unterschiedlicher Grammaturen ist ein einziges Material für verschiedene Zwecke geeignet, was in den Verpackungsstationen eine Reduzierung der Materialvielfalt ermöglicht.
  8. Einsatz von atmungsaktiven Papiertüten
    Papiertüten sind atmungsaktiv und tragen dazu bei, die Qualität von frischem Brot und Gebäck beizubehalten, indem sie Kondenswasserbildung verhindern. Sie sind in verschiedenen Größen und Ausführungen erhältlich und können problemlos in die Abläufe von Einzelhandels- und Gastronomiebetrieben eingebunden werden.
  9. Fettbarriere auf Faserbasis
    Bei fettdichten und pergamentartigen Papieren wird das Anhaften von Fett nicht durch eine zusätzliche Beschichtung verhindert, sondern durch die spezielle Faserstruktur. Sie eignen sich hervorragend zum kurzfristigen Verpacken von Lebensmitteln und Takeaway-Gerichten und können über herkömmliche Papierrecyclingsysteme entsorgt werden.
  10. Ersatz von beschichtetem Backpapier
    Silikonbeschichtetes Backpapier ist hitzebeständig bis 230 °C und garantiert eine zuverlässige Antihaftwirkung. PFAS-freie Papiere bieten eine praktische Alternative zu kunststoffbeschichteten oder folienbasierten Materialien und können einfacher gemeinsam mit Lebensmittelabfällen entsorgt werden.

Von der Herstellung bis zur Anwendung: Rückverfolgbare Materialien und kontrollierte Prozesse

Von der Herstellung bis zur Anwendung: Rückverfolgbare Materialien und kontrollierte Prozesse

Der gemeinsame Nenner all dieser Konzepte heißt Vereinfachung. Weniger Material, weniger Mischlösungen und vereinfachte Entsorgungswege. Dies trägt zu einer Straffung der Abläufe bei und reduziert gleichzeitig die Abhängigkeit von Kunststoffen. Viele dieser Änderungen lassen sich schrittweise einführen, ohne dass erhebliche Anpassungen an bestehende Prozesse vorgenommen werden müssen.

Aus produktionstechnischer Sicht ist Carccu® ein gutes Beispiel dafür, wie dieser Ansatz in der Praxis umgesetzt werden kann. Das Unternehmen fertigt Kraftpapier, Sulfitpapier, Backpapier sowie Verpackungspapier und Papiertüten für die Lebensmittelbranche und den Einzelhandel. Die Dokumentation der Rohstoffbeschaffung erfolgt gemäß den Kriterien der Produktkettenzertifizierungen nach FSC® und PEFC, wodurch die Rückverfolgbarkeit über die gesamte Lieferkette gewährleistet wird.

Im Flexodruckverfahren werden wasserbasierte Druckfarben verwendet, die den Bestimmungen gemäß der Schweizer Verordnung über Materialien mit Lebensmittelkontakt entsprechen, weshalb Papiersubstrate direkt und ohne zusätzliche Beschichtung bedruckt werden können. PFAS-freie Back- und Fettschutzpapiere zeigen, dass kunststoffbeschichtete Materialien auch in anspruchsvollen Anwendungen durch faserbasierte Alternativen ersetzt werden können. Die Produktion erfolgt unter Einhaltung der Managementsysteme nach EN ISO 9001 und EN ISO 14001 mit einer strukturierten Steuerung der Prozesse und Nebenströme, einschließlich Recycling und Wiederverwendung.

Von der Materialauswahl bis zur durchgehenden Umsetzung

Bei der Reduzierung von Verpackungskunststoff geht es weniger um einzelne Innovationen als um die konsequente Auswahl aufeinander abgestimmter Materialien. Wenn rückverfolgbare Beschaffung, vorschriftsmäßige Druckverfahren und kontrollierte Produktionsprozesse aufeinander abgestimmt sind, können Verpackungen auf Faserbasis sowohl funktionale als auch betriebliche Anforderungen erfüllen, ohne die Komplexität zu erhöhen.

Durch schrittweise Anpassungen im täglichen Betrieb lassen sich Verpackungssysteme so umgestalten, dass sie einfacher und effizienter werden und sich leichter in bestehende Recyclingprozesse integrieren lassen. Die Abkehr von Kunststoff erfolgt somit nicht in einem einzigen Schritt, sondern im Laufe und im Ergebnis koordinierter Entscheidungen, die über den gesamten Verpackungslebenszyklus hinweg getroffen werden.

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